„Olie the Goalie“ hört auf

•7. Juli 2009 • Kommentar schreiben

Mit Olaf Kölzig hört einer der besten, wenn nicht der beste deutsche Eishockey-Torhüter auf.

Es steht noch nicht zu 100% fest, aber Kölzig selbst sagt in einem Hockeyweb.de-Interview, er werde „zu 99,9 Prozent [die]  Schoner an den berühmten Nagel hängen“.

Olaf Kölzig beendet seine NHL-Karriere nach 764 Spielen

Olaf Kölzig beendet seine NHL-Karriere nach 764 Spielen

Damit endet seine NHL-Karriere voraussichtlich nach 719 Saison- und weiteren 45 Playoff-Spielen in der besten Eishockey-Liga der Welt. Dass damit auch die Eishockey-Karriere des 39-Jährigen ein Ende findet, ist wahrscheinlich: Denn „Olie the Goalie“ werde „nur in der NHL spielen“. Seinen ersten Lebensabschnitt nach dem Eishockey verbringt er mit Frau, Kinder und Kegel in Tri-City.

Er spielte alle außer die letzten acht Spiele für die Washington Capitals. Nach dem Kurzaufenthalt in Tampa Bay ging er für eine noch kürzere Zeit nach Toronto, kam dort aber verletzungsbedingt nicht zum Einsatz.

Zu seinen größten Erfolgen zählen: „Hap“ Holmes Memorial Award (niedrigster Gegentoreschnitt der AHL, 1994),  Jack A. Butterfield Trophy (bester Spieler der AHL-Playoffs, 1994), „First All-Star Team“ (NHL, 2000), Vezina Trophy (bester NHL-Torhüter der Saison, 2000), King Clancy Memorial Trophy (NHL-Auszeichnung für soziales Engagement und Führungsqualitäten, 2006), Teilnehmer am „All-Star Game“ (NHL, 1998 und 2000), Deutscher Eishockeymeister mit den Eisbären Berlin (DEL, 2005).

NHL-Draft: Für Europäer stimmt die Mischung nicht mehr

•29. Juni 2009 • Kommentar schreiben

Deutschsprachige Spieler waren beim NHL-Draft 2009 in Montreal völlig bedeutungslos. Ohne Dominik Bielke, dem kräftigen Nachwuchs-Verteidiger der Eisbären Berlin, wären sogar gar keine Spieler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz berücksichtigt worden.

Finnen waren deutlich beliebter als deutschsprachige Spieler. Nur der deutsche Dominik Bielke (#29) wurde im Entry Draft 2009 der NHL berücksichtigt. (Photo by Richard Wolowicz/Getty Images)

Finnen waren deutlich beliebter als deutschsprachige Spieler. Nur der deutsche Dominik Bielke (#29) wurde im Entry Draft 2009 der NHL berücksichtigt. (Photo by Richard Wolowicz/Getty Images)

Aber auch die anderen Länder aus Europa gingen prakitsch leer aus: Ein deutliches Signal, dass mit der KHL und anderen europäischen Eishockey-Ligen die Gefahr eines sogenannten „Bust“ für Europäer größer geworden ist. Immer mehr Spieler gehen für die NHL-Teams verloren, wenn sie nicht in den eigenen Farmteams spielen wollen und lieber in die Heimat wechseln.

Nur die Schweden trotzten diesem Trend: Sechs (oder sieben, je nach Zählart) Erstrunden-Picks sind im Land der Drei Kronen geboren:

Schweden > 1. Runde: 6 (+1) – 2. Runde: 6 – 3. Runde: 4 – 4. Runde: 3 – 5. Runde: 2 – 6. Runde: 2 – 7. Runde: 1
Finnland > 0-1-1-2-0-3-2
Russland > 1-1-0-1-1-1-1
Slowakei > 0-2-0-0-1-1-1
Tschechien > 0-0-1-2-0-0
Weißrussland > 0-0-0-0-0-0-1
Dänemark > 0-0-0-0-0-0-1
Deutschland > 0-0-0-0-0-0-1.

Der Sprung in die NHL geht für deutschsprachige Spieler also nur noch über Nordamerika. Man muss mehrere Jahre gezeigt haben, dass man unbedingt dort leben und arbeiten will. Das geht nur, wenn man eine nordamerikanische Schule oder Universität besucht. Die Amerikaner und Kanadier sind zudem körperlich viel besser drauf als die „weichen Europäer“. Das bedeutet, dass man als europäischer Spieler direkt deutlich auffälligere technische Fähigkeiten besitzen muss, um den Sprung zu schaffen.

Brian Burke, GM der Toronto Maple Leafs, brachte diese Aussage auf den Punkt: „Es war kein Zufall [keine Europäer zu wählen] – Ich denke, dass europäische Spieler wichtig für die NHL sind; sie bringen technische Fähigkeiten mit und kein Team kann ohne Europäer den Stanley Cup holen. Aber ich denke auch, dass die Mischung stimmen muss.“

Die Mischung stimmt also nicht mehr. Die Mischung aus Ausbildung, körperlicher Voraussetzung und der Sicherheit, für immer in der NHL – und nicht in einer anderen europäischen Liga – spielen zu wollen. Das sind Wettbewerbsvorteile, die besonders deutschsprachige Spieler in der NHL mehr und mehr zur Rarität werden lassen.

Stanley Cup Finals 2009 – aus 14 Perspektiven

•15. Juni 2009 • Kommentar schreiben

Die Detroit Red Wings empfingen die Pittsburgh Penguins das zweite Jahr in Folge im Kampf um die größte Trophäe der Eishockey-Welt. 2008 siegten die Red Wings, um dieses Jahr gegen die Penguins zu verlieren. Die entscheidenden Spiele fanden dabei jeweils auf gegnerischem Eis statt. Doch die kleinen Geschichten der beteiligten Spieler könnten unterschiedlicher nicht sein…

Stanley Cup Finals die Zweite: Pittsburgh in Detroit.

Stanley Cup Finals die Zweite: Pittsburgh in Detroit.

Marian Hossa„That’s life.“ Wie sich Marian Hossa fühlen muss, bedarf keiner Erläuterung. Als größter Name des letzten UFA-Marktes im Juli 2008 musste er sich zwischen zwei vielversprechenden Optionen entscheiden: Einem Langzeit-Vertrag mit den Pittsburgh Penguins oder einem lukrativen Einjahres-Vertrag in Detroit. Er kam aus dem Spiel 6 gegen die Red Wings mit dem Pinguin auf der Brust und hängendem Kopf – aber die Seiten zu wechseln, hat für ihn genau nichts verändert. Im zweiten Jahr in Folge verlor Hossa ein Stanley-Cup-Finale nur knapp und musste als Heimspieler dem Gast beim Jubeln zusehen. Diesmal im roten Dress aus Motor City. Er wird wissen, dass er auch seinen Beitrag zum Misserfolg hatte – konnte er den Druck des Gewinnen-Müssens nicht bändigen.

Miroslav Satan — Nach 1.012 Saisonspielen und 73 Playoff-Einsätzen holte Miro Satan seinen ersten Stanley Cup. Ein Titel, den ihm nach dem 4. März nicht jeder zugetraut hätte. Für zehn Spiele musste der altgediente All-Star-Spieler aus der Slowakei in die AHL, ins Farmteam der Penguins. Eine unglaubliche Situation, die er beim Unterzeichnen des mit 3,5 Millionen Dollar dotierten Einjahres-Vertrages nicht zu antizipieren vermochte. Doch nur neun Wochen später, am 12. Juni, stemmte Miro mit dem teuflischen Nachnamen den Titel aller Titel in die Höhe. Er kam sozusagen aus der Hölle, als er mit Bill Guerin und Ruslan Fedotenko in der letzten Saison noch bei den New York Islanders spielte, in den Himmel. Miro ist der erste Spieler, der die A-, B- und C-Weltmeisterschaft sowie den Stanley Cup gewinnen konnte.

Bill Guerin — Kommen wir direkt zum Islanders-Kapitän des letzten Jahres: Für Bill Guerin ist es der zweite Cup nach 1995. Damals war er als junger Spieler mit den New Jersey Devils erfolgreich. Für Guerin war es eine der letzten, wenn nicht die letzte Möglichkeit auf den ganz großen Preis des Eishockeys. Diese ließ er sich nicht nehmen und stemmte den Cup direkt nach Kapitän Sidney Crosby in die Höhe.

Petr Sykora — Ein weiterer Spieler, der bereits mit den New Jersey Devils den großen Triumph erlebte, ist Petr Sykora. Aber im Spiel 6 des Jahres 2000 erlebte er die Cup-Präsentation auf dem Eis nicht mit. Verletzungsbedingt musste der Tscheche im Krankenhaus behandelt werden, als sein Team zumindest sein Jersey bei der Übergabezeremonie trug. Bei seinem zweiten Titel konnte er den Cup zum ersten Mal selbst hochheben.

Ruslan Fedotenko — Der bullige Flügelstürmer hat neben der geteilten Islanders-Geschichte einen weiteren interessanten Fakt zu erzählen: Denn auch er war bereits einmal Stanley-Cup-Sieger – mit den Tampa Bay Lightning im Jahr 2004. Das damalige Spiel 7, das letzte  7. Spiel in den Stanley-Cup-Finals vor dem diesjährigen, fand gegen die Calgary Flames statt. Auch damals führte sein Team mit 2-0, um dann 2-1 zu siegen. Dieses Jahr war es Maxime Talbot, der als neunter Spieler zwei Tore in einem Finalspiel 7 beisteuerte. 2004 war es, der achte Spieler dem dieser persönliche Erfolg zu Teil wurde, Ruslan Fedotenko.

Evgeni Malkin — Mit 36 Punkten wurde Malkin der erste Russe, dem die MVP-Würde in den Playoffs zugetragen wurde. Doch auch erst der zweite Pinguin, der die Art Ross und die Conn Smythe in einer Saison abstaubte. Der erste Pittsburgh-Spieler, dem das gelang, war Mario Lemieux im Jahr 1992.

Sidney Crosby — Auch Sidney Crosbys erster Titel wird ihm in besonderer Erinnerung bleiben. Nicht nur, dass er glatt vergaß, die Hand des gegnerischen Kapitäns, Nick Lidström, zu schütteln. Er war auch im Halbfinale bereit, die Conference-Trophäe feierlich anzufassen und hochzuheben. Beide gebrochenen Traditionen, wenn der verpasste Handshake auch keine Absicht gewesen sein wird, gehören zu seiner ersten Erfahrung mit Lord Stanley. Ganz nebenbei war sein echtes Finale um den Stanley Cup sehr kurz: Nach einer Verletzung zu Mitte des Spiels konnte der Kapitän nur noch einen Kampfeinsatz für die Moral mit einer Länge von 32 Sekunden einlegen. Insgesamt spielte er weniger als zehn Minuten in Spiel 7.

Dan Bylsma — Der erst 38-Jährige Coach des Titelträgers ist eine der besonderen Geschichten dieser Saison. Er brachte es trefflich auf den Punkt, als er sagte, dass manche Trainer Jahrzehnte kämpfen und nie eine Chance auf den Titel haben – aber er gerade mal einige Monate benötigte, um den Traum eines Jeden Eishockey-Beteiligten zu erfüllen. Er übernahm das Ruder in Pittsburgh in einer denkbar schlechten Situation: Am 15. Februar 2009 standen die Penguins am Rande einer total verkorksten Saison. Als Tabellenzehnter im Osten war man bereits einige Punkte von den Playoff-Rängen entfernt. Doch seitdem ging es nur noch aufwärts, über den 4. Platz am Ende der Spielzeit bis zum Sieg des Stanley Cups. Der Unterschied zwischen Verlierer und Gewinner war selten so deutlich: Die Zuversicht und Energie, die der ehemalige 4.-Linie-Spieler in die Umkleide brachte, formte aus Pittsburghs großen Potenzials ein echtes Meister-Team.

Jordan Staal — Nach seinem Bruder Eric, dessen Team aus Carolina er im Halbfinale niederrang, ist Jordan der zweite Staal-Bruder, der sich den Cup-Traum erfüllte. Die anderen beiden, Marc und Jared, könnten noch folgen. Damit wäre man zweifelsohne eine der erfolgreichsten Hockeyfamilien aller Zeiten.

Maxime Talbot — Dass er der erst neunte Spieler aller Zeiten ist, der in einem Finalspiel 7 gleich zwei Tore erzielte, wissen wir bereits. Aber der robuste Kämpfertyp steht bereits mit seinem Spitznamen für wichtige Tore. “The Gamer”, wie er in Pittsburgh auch genannt wird, gelang bereits ein Jahr zuvor in Spiel 5 gegen die gleichen Detroit Red Wings erst kurz vor Ende das Tor zur Verlängerung. Es ging damals wieder für ein Spiel 6 nach Pittsburgh. Dieses Jahr setzte er den absoluten doppelten Schlussstrich unter die Chancen der Wings.

Sergej Gonchar — Dreimal in den Finals und zum ersten Mal gewonnen. Interessant ist, dass Gonchar alle seine Finals gegen die Detroit Red Wings absolvierte. 1998 war er noch Spieler der Washington Capitals. Nun trat er zweimal in Folge als Pittsburgh Penguin gegen die Wings an.

Daniel Cleary — Das Pendant zu Talbot auf Seite der Wings heißt Daniel Cleary. Ihm kann man keinen Vorwurf machen, er gab mit Sicherheit alles und spielte stets am Limit. Dass er in den 23 Playoff-Spielen neun Tore erzielte, zeigt, was der Wille zum großen Erfolg in Bewegung setzen kann. Während der 74 Saisonspiele war der Flügelspieler nur 14 Mal erfolgreich. Aber der erste Neufundländer der im letzten Jahr seinen Namen auf den Cup gravieren durfte, war auch bester Plus-Minus-Spieler dieser Playoffs.

Justin Abdelkader — Es gibt nur wenige Spieler, die mehr Playoff-Spiele als Saisonspiele absolvierten. Abdelkader ist einer davon, zumindest noch. Aber es gibt noch weniger Spieler, die auch ihr erstes NHL-Tor in den Playoffs erzielten. Noch weniger gibt es, die ihr erstes NHL-Tor in einem Finalspiel machten. Und man ahnt es schon: Es gibt nur ganz ganz wenige Spieler, die gleich zwei Tore in den ersten beiden Finalspielen ihrer Karriere beitrugen, mit den ersten beiden Toren überhaupt in ihrer Karriere. Auch wenn er als Ersatzmann nach Spiel 3 nicht mehr zum Einsatz kam, ist sein Karrierestart ein ganz besonderer.

Kris Draper — Draper wechselte 1993 für nur einen Dollar nach Detroit. Nun verpasste er seinen fünften Titel mit den Red Wings nur knapp. Trotzdem ist der nicht mehr ganz so schnelle Checking-Line-Center ein echtes Erfolgs-Schnäppchen gewesen.

Gut zu wissen: 1945 gewann Toronto auch das zweite Spiel 7 um einen Stanley Cup nach 1942 in Detroit mit 2-1. Die Leafs sollten die neue Dynastie werden und vier Titel aus fünf Jahren holen. Eine Parallele mit den Pittsburgh Penguins dieser Tage erscheint naheliegend.

Und zum Schluss die Reihenfolge, in welcher der Cup nach der Übergabe durch Gary Bettman die Runde machte: 1. Sidney Crosby 2. Bill Guerin 3. Sergei Gonchar 4. Miroslav Satan 5. Petr Sykora 6. Hal Gill 7. Philippe Boucher 8. Ruslan Fedotenko 9. Craig Adams 10. Mark Eaton 11. Matt Cooke 12. Pascal Dupuis 13. Chris Kunitz 14. Brooks Orpik 15. Rob Scuderi 16. Marc-Andre Fleury 17. Maxime Talbot 18. Evgeni Malkin 19. Jordan Staal 20. Eric Godard 21. Kris Letang 22. Tyler Kennedy 23. Chris Minard 24. Alex Goligoski 25. Michael Zigomanis 26. Dan Bylsma.

Congratulations, Pittsburgh!

•13. Juni 2009 • Kommentar schreiben
1991, 92, 2009

1991, 92, 2009

Mißerfolg auf Deutsch

•6. Juni 2009 • Kommentar schreiben

Hecht und Vanek keine Erfolgsbringer für Buffalo

„Das Einzige was fehlt, ist die Konstanz.“ -Thomas Vanek

„Es fehlte uns einfach die nötige Konstanz.“ – Jochen Hecht

Thomas Vanek

Die Tore stimmten, aber Thomas Vanek fehlten 20 Punkte in der vergangenen Saison zu seiner Karriere-Bestleistung aus 2006-07.

Die Phrasen von Thomas Vanek und Jochen Hecht klingen fast einstudiert. Die interne Analyse der Buffalo Sabres nach einer weiteren enttäuschenden Saison muss eindeutig ausgefallen sein: Ihr seid kein Playoff-Team.

Buffalo hat eine echte Spaßmannschaft, die auch nach den Weggängen von Chris Drury, Daniel Briere und Martin Biron noch intakt scheint. Doch die „Konstanz“ ging mit den besagten Namen, die Konstanz eines Kapitäns, eines Erstlinien-Stürmers und eines Ersatztorhüters. Genau diese drei Positionen fehlten des Sabres im vergangenen Jahr und dem davor, um die Runde der letzten 16 zu erreichen.

Es reichten kleine Dinge, um das ach so intakte Team aus dem Leistungsbereich auf die Verliererstraße zu bringen. Craig Rivet, der 23. Kapitän (zugleich die Rückennummer vom Ex-Kapitän Chris Drury) der Buffalo Sabres, fehlte dem Team in 19 Spielen der ersten Saisonhälfte. Der zitierte Star-Flügelspieler Thomas Vanek verpasste im Februar und März neun Spiele durch eine Verletzung. Im gleichen Zeitraum fehlte der Star-Torhüter Ryan Miller weitere 13 Spiele, ebenfalls durch eine Verletzung. Drei Stützen brachen weg und schon verfiel ein „intaktes“ Team in Inkonstanz.

Jochen Hecht hätte als altgedienter Buffalo-Führungsspieler die Lücke des robusten Defensiv-Verteidigers Rivet auffangen können – doch er war überfordert, lieferte seine schlechteste NHL-Saison seiner Karriere ab. Patrick Lalime sollte als erfahrener Torhüter Millers Verletzung abpuffern – jedoch kassierte er in 24 Einsätzen mehr als drei Gegentore pro Spiel und gewann nur fünf Spiele, bei 13 Niederlagen. Jason Pominville müsste als sicherer Punktelieferant die Eiszeit von Vanek in effektives Spiel umsetzen – aber auch er fand nicht zu sich, spielte die schlechteste seiner ersten drei vollen Spielzeiten.

Buffalo holte 2007 die „Presidents Trophy“ als bestes NHL-Team, verpasste den großen Preis am Ende nur knapp. Danach verließen Drury, Briere und Biron eine spielerische atemberaubende Mannschaft, die sich bestens verstanden hat. Verstehen tun sich die heutigen Büffel immer noch. Aber der Spielwitz, die Geschwindigkeit und damit der Erfolg sind weg.

Diesen Mißerfolg haben die beiden deutschsprachigen Spieler, die mit acht und fast vier Millionen Dollar die beiden teuersten Spieler in Buffalo waren, maßgeblich mitzutragen.

Last Man Standing

•11. Mai 2009 • 1 Kommentar

Dennis Seidenberg ist der letzte Deutsche in den laufenden NHL-Playoffs 2009

Für die Carolina Hurricanes, die Martin Brodeur und seine New Jersey Devils praktisch in letzter Minute des 7. Spiels eliminierten, lief alles nach Plan. In der zweiten Playoff-Runde konnten die Hurricanes drei der ersten vier Partien gegen den „Ostmeister“ aus Boston gewinnen. Der Deutsche Verteidiger spielte dabei mehr als 20 Minuten pro Spiel.

Doch in Spiel 5 am Abend des 10. Mai wurde Seidenberg zur vermeintlich tragischen Figur: Milan Lucic checkte Dennis Seidenberg und eröffnete damit den Siegeszug der Boston Bruins. Der Deutsche wurde beim Versuch zu Klären hart vom physischen Angreifer attackiert und das Stadion stand Kopf. Im Gegenzug konterten die Bruins und holten eine Strafzeit heraus. Dennis Seidenberg hatte seine gesteigerte Aggression leider in einen Stockschlag eingebracht, der seinem Team eine zweiminütige Unterzahl bescherte. Dieses Überzahlspiel endete frühzeitig mit dem 1-0 für Boston.

Seidenberg, der gegen die Devils in Runde noch drei Vorlagen beisteuerte, ist in Runde 2 immer noch punktlos. Doch eines hat er schon geschafft: Er stellt die Ehrenrettung des deutschen Eishockeys dar. Nach dem frühen Ausscheiden von Christian Ehrhoff und Marcel Goc mit San Jose, dem Nichterreichen der Playoffs von Jochen Hecht und der Verletzung von Marco Sturm ist Seidenberg in eine wichtige Rolle für sein Team gewachsen. Die Hurricanes gehören nicht nur zu den letzten acht Mannschaften der NHL-Meisterschaft, sie haben auch noch alle Chancen auf den Titel.

Sportlich abgestiegen

•5. Mai 2009 • 1 Kommentar

Das deutsche Eishockey hat in den fünf WM-Spielen in der Schweiz seinen derzeitigen spielerischen Zustand dargelegt: Katastrophal! Keine Qualität im Angriff, haarsträubende Fehler  in der Verteidigung und eine durchschnittlich besetzte Torwartposition.

0-5 gegen Russland. 2-3 gegen den Gastgeber, nach Verlängerung. 1-2 gegen Frankreich.  1-3 gegen Dänemark. 0-1 gegen Österreich. Die allerletzte Ehrenrettung vor dem schier atomaren Zerfall jeglicher Würde: Ein mageres 2-1 gegen Ungarn.

Defensiv ließen zwar nur sechs der 16 Teams weniger Schüsse auf das eigene Tor zu. Die 90,4% Fangquote bei 15 Gegentoren ist zudem annehmbar. Aber offensiv stehen sechs Tore bei einer Trefferquote von 3,3% zu Buche. Bei den Kanadiern oder US-Amerikanern haben die besten Verteidiger nach sechs Spielen allein vier Tore erzielt, bei einer Erfolgsquote von um die 20%. Wo man im Fußball bei einem Tor pro Spiel noch einen Mittelfeldplatz erkämpfen könnte, ist man im Eishockey praktisch abgestiegen.

Worin liegt die deutsche Angriffsschwäche begründet, die nach dem zehnten Platz in 2008 nun nur zu Platz 15 reichte?

Ohne die Beteiligten und deren Leistung beleidigen zu wollen: Der DEB ist mit einer der schwächeren WM-Teilnehmer angereist und hat sich um den vermeintlichen Star im Team, Coach und Ex-Stanley-Cup-Sieger Uwe Krupp, unerfüllbare Hoffnungen gemacht.  Hoffnungen, dass man irgendwie in die Hauptrunde kommen könnte und dort einen glücklichen Tag gegen einen der vielen Favoriten erwischen wird. Die Landung war dementsprechend hart: Gegen die Schweiz verloren, gegen Frankreich verloren und so musste man sich im psychologischen Abwärtssog auch noch den Dänen und Österreichern geschlagen geben.

Was nun, Herr Krupp?

Deutschland trägt die kommende WM aus und wird „Auf Schalke“ mit angepeilten 76000 Zuschauern einen neuen Zuschauerrekord für Eishockey-Spiele aufstellen. Da ein kommender Gastgeber nicht absteigen kann, ist Österreich nach dem Sieg über Deutschland zwar sportlich A-WM tauglich, muss aber mit Ungarn im Tausch mit Italien und Kasachstan in die Zweitklassigkeit gehen.

Die DEB-Auswahl ist nicht mit einem blauen Auge davon gekommen, denn dieses wäre bis 2010 verheilt. Bei unserem Nachbarland um Superstar Thomas Vanek hinterlässt das deutsche Team eine emotional bleibende Schramme: Immerhin ist man wegen den Deutschen abgestiegen, obwohl man doch besser war. Die WM 2010 steht außerdem unter einem ungewohnten Erfolgsdruck: Deutschland muss nun mindestens Zehnter werden, um nicht gänzlich im Niemandsland des Eishockeys zu versinken.

Es ist mehr als fraglich, ob dieses Team um Uwe Krupp diesem Druck standhalten kann. Man wollte das achtbeste Team des Eishockey-Sports sein: nach Kanada, Russland, Schweden, Tschechien, Slowakei, Finnland und den USA. Man wollte zu den engen Verfolgern gehören: zu den Schweizern, den Weißrussen und den Letten. Und nun wurde man sogar von den Dänen und Norwegern überholt, den Franzosen und Österreichern geschlagen und befindet sich auf dem Niveau der Ungarn oder Kasachstan und Italien.

Die ernüchternde Wahrheit.

NHL Watch: Deutsche Spieler Teil IV

•2. Mai 2009 • Kommentar schreiben

Die Saison 2008-09 ist vorbei. Wie verlief das Jahr aus Sicht der deutschen Spieler?

Christian Ehrhoff (San Jose Sharks):

Es war eine durchwachsene Saison für den besten NHL-Spieler aus Deutschland. Zwar konnte Christian mit 34 Vorlagen und 42 Punkten neue Karriere-Bestleistungen aufstellen. Aber die phasenweise sehr langen Durststrecken trüben ein noch besseres Saisonergebnis ein. Positiv ist, dass er seine schlechte Vorsaison vergessen machen konnte, indem er sieben Tore und 20 Punkte – bei gleicher Spielanzahl – mehr erzielte. Ein Faktor seines verbesserten Spieles ist, dass seine San Jose Sharks als besten Team der regulären Spielzeit beste spielerische Rahmenbedingungen lieferten.

Playoffs: Die Sharks schieden abermals enttäuschend in Runde 1 der NHL-Playoffs aus. Anaheim besiegte den Saisonbesten im Westküsten-Derby mit 4-2 Spielen. Ehrhoff spielte 23 bis fast 27 Minuten pro Spiel. Er blieb mit null Punkten und einer -2-Statistik offensiv unauffällig.

Aussicht 09-10: Im nächsten Jahr steigert sich Ehrhoffs vertragliches Einkommen auf 3,275 Millionen US-Dollar (Quelle: nhlnumbers.com). Damit steigen auch die Erwartungen in den deutschen Star-Verteidiger.

Dennis Seidenberg (Carolina Hurricanes):

Der 27-jährige Verteidiger aus Schwenningen hatte ein sehr gutes Jahr in Carolina. Mit 70 Spielen toppte er seine bisherige Einsatz-Bestmarke aus 2002-03 in Philadelphia um 12 Spiele. Die fünf Tore und 25 Vorlagen für 30 Punkte sind ebenfalls Bestmarken in jeder Kategorie. Seidenberg spielte meistens über 20 Minuten und war integrativer Bestandteil einer funktionierenden Hurricanes-Defensive, die mit 226 Gegentoren zu den besten der NHL gehörte.

Playoffs: Die Hurricanes schafften mit einem furiosen Schlussspurt die Playoffs als 6.-Platzierte. In der ersten Runde spielte Seidenberg 5 der 7 Spiele und konnte im entscheidenden 7. Spiel 20 Minuten Eiszeit und eine Vorlage verbuchen. Nach dem Sieg über New Jersey spielen die Canes nun gegen den Ostmeister aus Boston, dem Team des verletzten Marco Sturm.

2009-10: Dennis war mit 1,2 Millionen US-Dollar ein echtes Schnäppchen in der abgelaufenen Spielzeit. Als vertragsloser Spieler wird er mit Sicherheit einen besser dotierten Vertrag in der NHL finden können.

Jochen Hecht (Buffalo Sabres):

Für den vermeintlichen deutschen Führungsspieler in Diensten der Buffalo Sabres war es eine katastrophale Saison. Mit nur 12 Toren erzielte er seine zweitwenigsten Saisontore; der bisherige Negativwert mit zehn Toren erreichte Jochen in 2002-03 nach 49 Spielen. In 70 Spielen in dieser Spielzeit konnte er mit weiteren 15 Vorlagen nur 27 Punkte zum Gelingen seines Teams beitragen. Noch nie seit seiner ersten Saison in 1999-2000 war er weniger effektiv. Mit der -9-Statistik erreichte Hecht zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere einen negativen Wert als Stammspieler. Mit diesem Beitrag untermauerte er die Befürchtungen, dass er offensiv zu grobmotorisch agiert und nicht die Führungsperson im Team sein kann, die man erwarten möchte.

Playoffs: Die Sabres verpassten die Playoffs in dieser Saison mit einem fehlenden Sieg und 91 Punkten. Mit dem abschließenden 5-1 gegen Boston zeigte man zwar, was in einer potenziellen Runde 1 möglich gewesen wäre. Aber Was-wäre-wenn-Spielchen passen einfach nicht zu dieser unkonstanten Saison des NHL-Besten von 2006-07.

2009-10: Nach dieser Saison fällt es jedem GM schwer, 3,8 Millionen US-Dollar Gehalt zu überweisen. Jochen hat sich in eine schwere Situation gebracht, die auch in einem Zwangsumzug durch ein Tauschgeschäft enden könnte. Er war in diesem Jahr der zweitteuerste Sabres-Spieler nach Thomas Vanek.

Marco Sturm (Boston Bruins):

Er wollte endlich 30 Tore erzielen und verletzte sich nach nur 19 Spielen. Seit dem 18. Dezember 2008 stand Marco nicht mehr in einem Pflichtspiel auf dem Eis und beendete diese Saison nach der Knieoperation im Januar  mit sieben Toren und sechs Vorlagen.

Playoffs: Sturm kann immer noch Meister werden. Allerdings kann er nicht zum Erfolg beitragen und ist zum Zuschauen verdammt.  Immerhin.

2009-10: Er hat noch einen mit 3,5 Millionen US-Dollar dotierten Vertrag und wird sich im Sommer auf eine erfolgreiche Rückkehr vorbereiten.

Marcel Goc (San Jose Sharks):

Der deutsche Mittelstürmer ist nach dieser Saison endgültig als Defensivspieler zu bewerten. Marcel traf genau zwei seiner 104 Schüsse auf das gegnerisch Tor und erreichte damit eine Trefferquote von stürmerunwürdigen 1,9%.  Goc wurde in einem guten Sharks-Team oft in der 4. Linie 55 Mal eingesetzt und kam mit neun Vorlagen und den beiden Treffern auf elf Saisonpunkte.

Playoffs: Wie Ehrhoff schied auch Goc mit den Sharks aus. Er spielte zwar in allen sechs Spielen, war aber ein klassischer „Non-Factor“.

2009-10: Goc ist als Erstrunden-Pick einfach zu schwach. Mit seinem Gehalt von 775.000 US-Dollar ist er entsprechend günstig. Leider sind seine Karriereaussichten mit den bisherigen Leistungen stark beschränkt. Eine Rückkehr nach Deutschland steht nicht unmittelbar bevor, ist aber nicht auszuschließen.

Christoph Schubert (Ottawa Senators):

Ähnlich wie bei den bisherigen Deutschen war auch beim direkten Münchner der Wurm drin. Die 50 Einsätze, bei denen er je drei Tore und Vorlagen erreichte, sind ein deutlicher Rückschritt der letzten beiden Jahre. Christoph ist da angekommen, wo er 2005-06 in Ottawa begann.

Playoffs: Die Senators verpassten die Playoffs deutlich und kamen erst spät in der Saison in Fahrt. Dieses Jahr sollten die Hauptstädter aus Kanada schnellstmöglich vergessen.

2009-10: Schubert ist mit 900.000 US-Dollar verhältnismäßig günstig und wird deswegen wohl auch seinen 2010 auslaufenden Vertrag erfüllen können. Trotzdem ist der vermeintlich vielseitige Spieler entbehrlich.

Olaf Kölzig (Toronto Maple Leafs):

Die deutsche Torhüter-Ikone kam auf Grund seiner Muskelverletzung nach dem Tausch aus Tampa nach Toronto nicht mehr zum Einsatz und beendete die Spielzeit mit acht Einsätzen, der letzte am 11. Dezember 2008.

Playoffs: Die Maple Leafs haben die Playoffs deutlich verpasst.

2009-10: Olie Kölzig wurde dieses Jahr 39 Jahre alt. Demnach bleibt zu vermuten, dass er seine Karriere beenden wird oder maximal eine Spielzeit verlängert. Viel Benzin ist sicherlich nicht mehr im Tank, aber einige schöne Erinnerungen in Toronto sind ein lohnenswerter Anreiz zu verlängern. Vielleicht kann ein junger Torhüter von seiner Erfahrung profitieren.

Alexander Sulzer (Nashville Predators):

Der 24-Jährige Kaufbeurer spielte am 15. und 28. Januar seine ersten beiden NHL-Spiele und kam seitdem verletzungsbedingt nicht mehr zum Einsatz.

Playoffs: Nashville hat die Playoffs knapp verpasst, nachdem die St. Louis Blues einen furiosen Endspurt hinlegten und an den Preds vorbeizogen.

2009-10: Sulzer ist ein interessanter Spieler, dessen Vertrag dieses Jahr auslief. Seine weiteren Wege in der NHL sind mit Interesse zu beobachten.

NHL Watch: Deutsche Spieler Teil III

•11. März 2009 • Kommentar schreiben

Wie kommen die Deutschen bei ihren jeweiligen Teams durch die Saison 2008-09?


Christian Ehrhoff (San Jose Sharks):

Der schnelle Verteidiger hat sich seit dem 20. Spieltag wieder gefangen und konnte zwischenzeitlich an seine Frühform der Saison anknüpfen. Er lieferte in den 22 Spielen seit dem 22. November im Spiel gegen Washington bis zum 15. Januar gegen Calgary nur eine magere Vorlage ab. In den 21 darauffolgenden Spielen konnte Ehrhoff dann 16 Punkte einsammeln, darunter auch sechs Tore und zwei Siegtreffer. Der Höhepunkt dieser guten Serie war das Tor in Verlängerung gegen Minnesota am 10. März: In diesem Spiel stand Christian nicht nur über 23 Minuten auf dem Eis, sondern rettete mit seinem Alleingang über das Eis die beiden Punkte für San Jose. So kann es weiter gehen für den besten deutschen Hockeyspieler in der NHL.


Dennis Seidenberg (Carolina Hurricanes):

Dass der Schwenninger auch zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison mehr Punkte als Jochen Hecht zu verbuchen hat, war zu Saisonbeginn sehr unwahrscheinlich. Es ist nicht nur Jochens schlechte Leistung, sondern vielmehr das gute und solide Spiel von Dennis, welche diese Konstellation ermöglicht. Seidenberg ist der unangefochtene Vielspieler unter den Deutschen: Mit über 23 Minuten im Schnitt spielt er über zwei Minuten länger als Ehrhoff. Neben den sehr guten vier Toren und 19 Vorlagen stehen allerdings auch die -15 in der Plus-Minus-Statistik zu Buche. Dass er in jedem zweiten Spiel bei mehr Gegentore als eigene Treffern seiner Linie miterleben muss, sollte die gute Stimmung im Team nur unwesentlich trüben: Seine Hurricanes sind aktuell für die Playoffs qualifiziert und haben mir Eric Cole eine wirksame Verstärkung während der Trade-Deadline erhalten.


Jochen Hecht (Buffalo Sabres):

Wie angedeutet, spielt Jochen eine ganz schlechte Saison für Buffalo. Seine mageren neun Tore und nur 12 Vorlagen bei einer desaströsen -13-Statistik verdeutlichen die Situation auch in Zahlen. Das Jahr 2009 sollte sich schnellstens zum Guten für ihn wenden, da sonst seine sicheren Zukunftspläne am Lake Erie gefährdet scheinen. Letztes Jahr erreichte er im achten Anlauf die 20-Tore-Marke – sicherlich nicht um dieses Jahr alle positive Entwicklung zu zerstören. Für 3,8 Mio. Dollar Gehalt erwartet man in Buffalo einfach mehr von ihm. Die Sabres stehen u.a. wegen seiner schlechten Leistung aktuell nur auf dem zehnten Tabellplatz und sind in dieser Verfassung kein Playoff-Teilnehmer.


Marco Sturm (Boston Bruins):

Wie berichtet, endete die Saison für Marco nach einer Verletzung bereits nach nur 19 Einsätzen. Die Knieverletzung mit anschließender Operation war Marcos zweite ernsthafte Verletzung. Zwar konnte er nur eine der vorhergehenden zehn Spielzeiten in San Jose und Boston komplett zu Ende spielen. Dennoch stand sein bisheriger trauriger Minusrekord bei 64 Spielen, als er sich 2004 das Bein gebrochen hatte. Die Bruins, das bisher beste Team der Saison, liefern ihm zwar keinen sportlichen Grund zur Sorge,  trotzdem steht Sturmy mit Sicherheit lieber auf dem Eis, als in der Pressebox zum Zuschauen verdammt zu sein.


Marcel Goc (San Jose Sharks):

Ausgehend vom letzten Update kam Marcel verletzungsbedingt in nur 13 Spielen zum Einsatz und konnte je ein weiteres Tor und Vorlage beisteuern. Damit „schraubte“ er sein Torekonto auf zwei und steht nun bei insgesamt neun Scorer-Punkten. Goc ist damit bereits zum dritten Mal in der laufenden Spielzeit verletzt. Als Teamkollege von Ehrhoff bei den San Jose Sharks muss der Checking-Line-Center nun mit der unbefriedigenden Zuschauerrolle klar kommen. Wünschen wir ihm alles Gute, dass er sich schon bald wieder beweisen kann.


Christoph Schubert (Ottawa Senators):

Bei den Senators ist die Saison praktisch beendet, da kaum noch Hoffnungen auf die Playoff-Plätze bestehen. Schubert kam im Februar zu nur zwei Einsätzen und sollte zur Trade-Deadline eigentlich unters Volk gebracht werden. Nachdem GM Murray aber keine Abnehmer für ihn fand, verbliebt er in Ottawa und spielte im März auch wieder. Christoph hat seinen letzten Punkt am 3. Dezember gegen Atlanta erzielt, sein einziges Tor liegt sogar noch weiter zurück:  Seit dem 27. Oktober traf er keinen seiner folgenden 36 Schüsse ins gegnerische Tor. Seine Trefferquote sank somit in den letzten drei Spielzeiten von 8,2% über 5,8% auf nun -praktisch Blindheit bescheinigende- 2,2%. Damit bleibt festzuhalten, dass Schubert es auch in diesem Jahr nicht geschafft hat, sich einen sicheren Stammplatz zu verdienen und ein wichtiger Bestandteil des Teams aus der kanadischen Hauptstadt zu werden.


Olaf Kölzig (Toronto Maple Leafs):

Ja, richtig gelesen! Olaf Kölzig muss nun doch noch einmal umziehen, diesmal nach Toronto ins schöne Kanada. Zusammen mit dem Schweizer Martin Gerber besitzen die Leafs ein wohl einmaliges deutsch-sprachiges Torhüter-Duo. Diese Veränderung ist durchaus erheblich, pulsiert in Toronto der Eishockeysport in einem ganz anderen Takt als im sonnigen Florida. Zwar wird „Olie the Goalie“ diese Saison verletzungsbedingt keinen Einsatz mehr erhalten können, doch dieser Wandel könnte auch dem Alt-Star zwischen den NHL-Pfosten nochmal Motivation für ein weiteres Jahr Profi-Eishockey verleihen. Eine unerwartete Wende in der sicher geglaubten letzten Phase einer großen Karriere.

Olaf Kölzig

Olaf Kölzig wurde von den Toronto Maple Leafs verpflichtet (Copyright by daylife)

Alexander Sulzer (Nashville Predators):

Der 24-Jährige Kaufbeurer spielte am 15. und 28. Januar seine ersten beiden NHL-Spiele: Herzlichen Glückwunsch! Er ist der erste Deutsche, der für die Predators aktiv sein durfte. Weniger erfreulich war der Grund, dass es bei bisher zwei Spielen blieb: Alexander wurde im Spiel gegen Vancouver von Darcy Hordichuk gecheckt und musste das Spiel verletzungsbedingt verlassen. Die ausgekugelte Schulter ist nun ausgeheilt und er trainiert bereits mit dem Team. Auf ihn wird zu achten sein, wie er sich als frisch-gebackener NHL-Spieler aus Deutschland entwickelt.

NHL Watch: Deutsche Spieler Teil II

•5. Januar 2009 • 1 Kommentar

Wie kommen die Deutschen bei ihren jeweiligen Teams durch die Saison 2008-09?


Christian Ehrhoff (San Jose Sharks):

Der aktuell beste deutsche Spieler in der NHL kam extrem gut in die Saison. In den ersten 20 Saisonspielen konnte Ehrhoff 16 Punkte erzielen und stand viel auf dem Eis, auch im so wichtigen Powerplay. Nach dem 17.11., dem besagten 20. Spieltag für die Sharks, ging beim jungen Verteidiger nichts mehr. Bis zum Jahresende war er nicht mehr auf dem Scoresheet vertreten, 17 Spiele lang. Bei durchschnittlich über 20 Minuten Eiszeit ist das einfach zu wenig. Auch wenn die Sharks weiterhin ganz oben mitmischen: Ehrhoff konnte die Pace von den Verteranen Rob Blake und Dan Boyle nicht mitgehen. Im ersten Spiel in 2009 wurde seine Eiszeit entsprechend auf etwa 15 Minuten reduziert, und Ehrhoff weiß was die Stunde geschlagen hat: Eine Vorlage, 9 Strafminuten und 4 Shots in nur 19 Shifts. Bleibt zu hoffen, dass er an diese engagierte Leistung anknüpfen kann.


Dennis Seidenberg (Carolina Hurricanes):

In Carolina fühlt er sich richtig wohl und stand am 16. Dezember sogar über 32 Minuten auf dem Eis, als sein Team in der Nachspielezit siegreich war. Mit seinen 15 Punkten, davon zwei Toren, ist Seidenberg in eine Top4-Verteidigerrolle hineingewachsen, die ihm keiner mehr zugetraut hätte. Der 6.-Runden-Pick der Philadelphia Flyers wird dieses Jahr, wenn verletzungsfrei, zum ersten mal in seiner 8. NHL-Saison über 60 Spiele absolvieren. Die Punkte der vorherigen Saison, einer Karrierebestleistung, hat er nun bei 72% der Spiele bereits erreicht. Es scheint, als würde der Junge aus Schwenningen nun doch noch eine stattliche Hockeykarriere in der Nordamerikanischen Profiliga auf’s Eis zaubern können. — Randbemerkung: Seidenberg war auch am unglücklichen Ausscheiden von Patrice Bergeron (BOS) beteiligt, der sich eine weitere Gehirnerschütterung zuzog und sich als neuer Eric Lindros entpuppt: Dafür konnte Seidenberg nicht viel, als er lediglich eine Abwehrhaltung beim Angriff Bergerons einnahm und den Stürmer abblockte.

Dennis Seidenberg

Seidenberg hat die Kurve bekommen und spielt sein Spiel (Copyright by Getty Images)

Marco Sturm (Boston Bruins):

Thema Boston und Gehirnerschütterungen: Sturmy verpasste im Dezember 12 Spiele wegen einer leichten Gehirnerschüttern und kommt auch in gesunden Tagen nicht richtig in Tritt. Sein Team, die Boston Bruins, gewannen zwischenzeitlich sogar zehn Spiele in Folge und waren besonders zu Hause eine Macht. Aber Marco spielt auch mit dem Siegeswind im Rücken derzeit nur auf Vorjahresniveau. Zu wenig für Einen, der endlich mal die 30 Tore knacken will. Seine 12. Saison, in der er wohl die 800 Spielemarke erreichen wird, kann nur besser werden: Vielleicht bekommen die Bruins dieses Jahr eine Hand an Lord Stanley’s Cup? Dann wäre der persönliche Erfolg für ihn sicherlich zweitrangig. Für seine Gesundheit kann man ihm nur alles Gute wünschen; hoffen wir, dass er diese Saison noch spielen kann, oder zumindest in den Playoffs.

Jochen Hecht (Buffalo Sabres):

Gleiche Geschichte wie bei Marco Sturm: Auch Jochen Hecht erlebt eine eher durchwachsene Saison. Seine mageren 4 Törchen aus 29 Einsätzen werden dem ambitionierten Deutschen nicht gefallen, wobei er letztes Jahr erst die 20 Toremarke durchbrach. Ein besonders guter Schütze war Jochen noch nie, aber auch die harte Arbeit scheint sich auch nicht mehr auszuzahlen. Der +/- Wert von -8 ist der schlechteste aller deutschen Spieler. Jochen wurde sogar in die 4. Linie degradiert; keine Maßnahme mit der Coach Lindy Ruff sein Vertrauen ausdrücken will. Wenn es auf diesem Niveau weitergeht, hätte sich Hecht seit 2003-04 nicht mehr (auf Punktebasis) weiterentwickelt. Er muss einfach mehr in beide Richtungen des Spielgeschehens tun, will er mit seinen begrenzten Offensiv-Fähigkeiten weiterhin 1. und 2. Reihe spielen.

Marcel Goc (San Jose Sharks):

Von einer Weiterentwicklung kann bei Marcel Goc ebenfalls nicht die Rede sein. Zwar erhält er in allen Spielen der Sharks, einem Top-Team der Liga, weiterhin seine Eiszeit. Aber außerhalb dieser Kategorie bringt Marcel nicht viel zusammen. Mit einem mageren Tor trifft er gerade Mal jeden 57. Schuss: Ein Armutszeugnis für einen quirligen Centerspieler. In seiner vierten Saison muss auch er weiterhin hart an sich arbeiten, um ein solider und darüber hinaus wichtiger Bestandteil seines NHL-Teams zu werden. Ryan Clowe macht es vor: Er wurde 155 Plätze nach Goc im 2001er Draft von den Sharks gezogen und erzielte in ähnlich vielen Spielen 16 Tore und 14 Vorlagen. Von dieser Produktivität ist der Deutsche weit weit entfernt.

Christoph Schubert (Ottawa Senators):

Der direkte, aber sehr sympathische Münchner hat es besonders schwer: Er will sich weiterentwickeln, spielt aber dieses Jahr einfach beim falschen Team. Die Ottawa Senators haben eine grottenschlechte Spielzeit, welche sich natürlich auch nicht positiv auf den Deutschen auswirkt. Christoph spielt zwar ordentlich, kann aber ein mit mehreren Problemen durchzogenes Team nicht verbessern. Seine Eiszeit von 15 bis 20 Minuten, je nach Special-Team-Zugehörigkeit, in den bisherigen 25 Spielen ist auf einem guten Niveau. Zwar steht er aktuell nicht besser da, als vor zwei Jahren, aber seinen günstigen Vertrag scheint man in der Hauptstadt Kanadas zu schätzen. Denn Schubert liefert immer gute, harte Arbeit ab und kämpft für seine Mannschaft in jedem Shift. Das bleibt ihm zu Gute zu halten.

Olaf Kölzig (Tampa Bay Lightning):

Bei „Olie the Goalie“ neigt sich die Karriere natürlich dem Ende zu. Mit den Lightning hat er sich ein denkbar schlechtes Domizil für seinen Karriereabend ausgesucht. Im Dezember hat er sein bisher letztes Spiel abgeliefert, einem Sieg mit 31 Saves aus 32 Schüssen. Kölzig hatte schon vor seinem Engagement in Tampa 300 Siege und wird wohl eher die 300. Niederlage seiner Karriere erhalten, als weitere Meilensteine zu erreichen. Immerhin etwas kam hinzu: Kölzig hat seit seinem Karrierebeginn 1989 mehr als 20.000 Hartgummischeiben auf sich zu kommen sehen. Ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass ein Martin Brodeur bisher ebenfalls nur etwas mehr als 24.500 Schüsse abzuwehren hatte.

NHL-Statistiken deutscher Spieler (abgerufen auf NHL.com am 5. Januar 2009)

NHL-Statistiken deutscher Spieler (abgerufen auf NHL.com am 5. Januar 2009)