Die Saison 2008-09 ist vorbei. Wie verlief das Jahr aus Sicht der deutschen Spieler?
Christian Ehrhoff (San Jose Sharks):
Es war eine durchwachsene Saison für den besten NHL-Spieler aus Deutschland. Zwar konnte Christian mit 34 Vorlagen und 42 Punkten neue Karriere-Bestleistungen aufstellen. Aber die phasenweise sehr langen Durststrecken trüben ein noch besseres Saisonergebnis ein. Positiv ist, dass er seine schlechte Vorsaison vergessen machen konnte, indem er sieben Tore und 20 Punkte – bei gleicher Spielanzahl – mehr erzielte. Ein Faktor seines verbesserten Spieles ist, dass seine San Jose Sharks als besten Team der regulären Spielzeit beste spielerische Rahmenbedingungen lieferten.
Playoffs: Die Sharks schieden abermals enttäuschend in Runde 1 der NHL-Playoffs aus. Anaheim besiegte den Saisonbesten im Westküsten-Derby mit 4-2 Spielen. Ehrhoff spielte 23 bis fast 27 Minuten pro Spiel. Er blieb mit null Punkten und einer -2-Statistik offensiv unauffällig.
Aussicht 09-10: Im nächsten Jahr steigert sich Ehrhoffs vertragliches Einkommen auf 3,275 Millionen US-Dollar (Quelle: nhlnumbers.com). Damit steigen auch die Erwartungen in den deutschen Star-Verteidiger.
Dennis Seidenberg (Carolina Hurricanes):
Der 27-jährige Verteidiger aus Schwenningen hatte ein sehr gutes Jahr in Carolina. Mit 70 Spielen toppte er seine bisherige Einsatz-Bestmarke aus 2002-03 in Philadelphia um 12 Spiele. Die fünf Tore und 25 Vorlagen für 30 Punkte sind ebenfalls Bestmarken in jeder Kategorie. Seidenberg spielte meistens über 20 Minuten und war integrativer Bestandteil einer funktionierenden Hurricanes-Defensive, die mit 226 Gegentoren zu den besten der NHL gehörte.
Playoffs: Die Hurricanes schafften mit einem furiosen Schlussspurt die Playoffs als 6.-Platzierte. In der ersten Runde spielte Seidenberg 5 der 7 Spiele und konnte im entscheidenden 7. Spiel 20 Minuten Eiszeit und eine Vorlage verbuchen. Nach dem Sieg über New Jersey spielen die Canes nun gegen den Ostmeister aus Boston, dem Team des verletzten Marco Sturm.
2009-10: Dennis war mit 1,2 Millionen US-Dollar ein echtes Schnäppchen in der abgelaufenen Spielzeit. Als vertragsloser Spieler wird er mit Sicherheit einen besser dotierten Vertrag in der NHL finden können.
Jochen Hecht (Buffalo Sabres):
Für den vermeintlichen deutschen Führungsspieler in Diensten der Buffalo Sabres war es eine katastrophale Saison. Mit nur 12 Toren erzielte er seine zweitwenigsten Saisontore; der bisherige Negativwert mit zehn Toren erreichte Jochen in 2002-03 nach 49 Spielen. In 70 Spielen in dieser Spielzeit konnte er mit weiteren 15 Vorlagen nur 27 Punkte zum Gelingen seines Teams beitragen. Noch nie seit seiner ersten Saison in 1999-2000 war er weniger effektiv. Mit der -9-Statistik erreichte Hecht zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere einen negativen Wert als Stammspieler. Mit diesem Beitrag untermauerte er die Befürchtungen, dass er offensiv zu grobmotorisch agiert und nicht die Führungsperson im Team sein kann, die man erwarten möchte.
Playoffs: Die Sabres verpassten die Playoffs in dieser Saison mit einem fehlenden Sieg und 91 Punkten. Mit dem abschließenden 5-1 gegen Boston zeigte man zwar, was in einer potenziellen Runde 1 möglich gewesen wäre. Aber Was-wäre-wenn-Spielchen passen einfach nicht zu dieser unkonstanten Saison des NHL-Besten von 2006-07.
2009-10: Nach dieser Saison fällt es jedem GM schwer, 3,8 Millionen US-Dollar Gehalt zu überweisen. Jochen hat sich in eine schwere Situation gebracht, die auch in einem Zwangsumzug durch ein Tauschgeschäft enden könnte. Er war in diesem Jahr der zweitteuerste Sabres-Spieler nach Thomas Vanek.
Marco Sturm (Boston Bruins):
Er wollte endlich 30 Tore erzielen und verletzte sich nach nur 19 Spielen. Seit dem 18. Dezember 2008 stand Marco nicht mehr in einem Pflichtspiel auf dem Eis und beendete diese Saison nach der Knieoperation im Januar mit sieben Toren und sechs Vorlagen.
Playoffs: Sturm kann immer noch Meister werden. Allerdings kann er nicht zum Erfolg beitragen und ist zum Zuschauen verdammt. Immerhin.
2009-10: Er hat noch einen mit 3,5 Millionen US-Dollar dotierten Vertrag und wird sich im Sommer auf eine erfolgreiche Rückkehr vorbereiten.
Marcel Goc (San Jose Sharks):
Der deutsche Mittelstürmer ist nach dieser Saison endgültig als Defensivspieler zu bewerten. Marcel traf genau zwei seiner 104 Schüsse auf das gegnerisch Tor und erreichte damit eine Trefferquote von stürmerunwürdigen 1,9%. Goc wurde in einem guten Sharks-Team oft in der 4. Linie 55 Mal eingesetzt und kam mit neun Vorlagen und den beiden Treffern auf elf Saisonpunkte.
Playoffs: Wie Ehrhoff schied auch Goc mit den Sharks aus. Er spielte zwar in allen sechs Spielen, war aber ein klassischer “Non-Factor”.
2009-10: Goc ist als Erstrunden-Pick einfach zu schwach. Mit seinem Gehalt von 775.000 US-Dollar ist er entsprechend günstig. Leider sind seine Karriereaussichten mit den bisherigen Leistungen stark beschränkt. Eine Rückkehr nach Deutschland steht nicht unmittelbar bevor, ist aber nicht auszuschließen.
Christoph Schubert (Ottawa Senators):
Ähnlich wie bei den bisherigen Deutschen war auch beim direkten Münchner der Wurm drin. Die 50 Einsätze, bei denen er je drei Tore und Vorlagen erreichte, sind ein deutlicher Rückschritt der letzten beiden Jahre. Christoph ist da angekommen, wo er 2005-06 in Ottawa begann.
Playoffs: Die Senators verpassten die Playoffs deutlich und kamen erst spät in der Saison in Fahrt. Dieses Jahr sollten die Hauptstädter aus Kanada schnellstmöglich vergessen.
2009-10: Schubert ist mit 900.000 US-Dollar verhältnismäßig günstig und wird deswegen wohl auch seinen 2010 auslaufenden Vertrag erfüllen können. Trotzdem ist der vermeintlich vielseitige Spieler entbehrlich.
Olaf Kölzig (Toronto Maple Leafs):
Die deutsche Torhüter-Ikone kam auf Grund seiner Muskelverletzung nach dem Tausch aus Tampa nach Toronto nicht mehr zum Einsatz und beendete die Spielzeit mit acht Einsätzen, der letzte am 11. Dezember 2008.
Playoffs: Die Maple Leafs haben die Playoffs deutlich verpasst.
2009-10: Olie Kölzig wurde dieses Jahr 39 Jahre alt. Demnach bleibt zu vermuten, dass er seine Karriere beenden wird oder maximal eine Spielzeit verlängert. Viel Benzin ist sicherlich nicht mehr im Tank, aber einige schöne Erinnerungen in Toronto sind ein lohnenswerter Anreiz zu verlängern. Vielleicht kann ein junger Torhüter von seiner Erfahrung profitieren.
Alexander Sulzer (Nashville Predators):
Der 24-Jährige Kaufbeurer spielte am 15. und 28. Januar seine ersten beiden NHL-Spiele und kam seitdem verletzungsbedingt nicht mehr zum Einsatz.
Playoffs: Nashville hat die Playoffs knapp verpasst, nachdem die St. Louis Blues einen furiosen Endspurt hinlegten und an den Preds vorbeizogen.
2009-10: Sulzer ist ein interessanter Spieler, dessen Vertrag dieses Jahr auslief. Seine weiteren Wege in der NHL sind mit Interesse zu beobachten.
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